Violeta Mikić

Pausenbrief 04 | 2026

Hüpfen statt glätten

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ostern, also "Leidensweg", "Passion", "Auferstehung", das scheinen mir die richtigen Stichworte, um heute mit einem uralten Thema zu kommen: dem der Verjüngung. Sterben müssen oder ewige Jugend? Das ist ein Topos, der unsere Gesellschaften auch jenseits christologischer Narrative schon immer beschäftigt. "Fruchtsäure", "Botox", "Hyaluron" oder "minimalinvasiver Eingriff" sind dafür die aktuellen Vokabeln, sie versprechen eine neue Form von Auferstehung. Zumindest bekommt das Traditionsbild des Jungbrunnens eine trendige Note.


Doch was ist das eigentlich, Jugendlichkeit? Die wenigen Quadratzentimeter des Gesichts ohne Falten? Oder ein Waschbrettbauch? Eigenartig, dass wir bei der Beantwortung dieser Frage so oft auf statische Bilder verweisen. Das ideale Gesicht ist meistens ein Poster, oder? Kein Film, keine Langzeitaufnahme. Dabei müsste uns das wundern. Denn der Mensch bewegt sich nun mal, sogar im Schlaf. Wer sich aber bewegt, liefert sich notwendig allen möglichen und mitunter eben auch unmöglichen Positionen aus, in denen das Ideal verrutscht, ups. Aber so isses nun mal. Und auch wenn jede*r von uns Leute kennen wird, die dem idealen Aussehen zuliebe starr bleiben und aufgehört haben zu lachen, weil das Mundwinkelfalten macht, darf man zu bedenken geben, dass dies eine Art von Totsein im Leben darstellt.


Insofern möchte ich fast umgekehrt argumentieren: Jugendlichkeit ist Beweglichkeit! Sowohl als äußere wie als innere Qualität: körperliche und seelische Spannkraft, Leichtigkeit, elastische Reaktionen wie Emotionen, ein aufrechter Gang, eine lebendige Mimik, wacher Blick, offene Gesten, Gegenwärtigkeit, all dies signalisiert Frische und Interesse; dazu klangvolle Stimme mit natürlicher Modulation, eine dynamische Sprechweise, die weder zu langsam, noch zu schnell, noch monoton, noch introvertiert ist, schaffen Wendigkeit in jeder Schicht. Vor allem wirken innere und äußere Beweglichkeit stets zusammen. Auf der ganzen Welt werden Sie keinen Griesgram finden, der hüpft. Umgekehrt kein Kind, das seine Füße stillhält.


Kurzum, ich empfehle weniger Muskelaufbau! Viel eher Drehen und Wenden! Laufen! Schauen! Fußgelenke massieren! Und, ja, bitte, hüpfen wie die Kinder beim Ostereiersuchen! In ein paar Tagen haben wir genügend Gelegenheit, uns das abzuschauen. Womit ich beim letzten Stichwort bin: 


Fröhliche Ostern! Und nehmen wir das Fröhliche beim Wort!


Ihre Violeta Mikić