Violeta Mikić

Pausenbrief 10 | 2026

Wenn der Tag andere Pläne hat

Für diesen Pausenbrief hatte ich mir vorgenommen, einmal das Thema "Frauengerechtigkeit/ Männergerechtigkeit" auszuleuchten. Aber dann fiel,


liebe Leserinnen, liebe Leser,


mir mein Wasserglas vom Schreibtisch. Leider war an diesem Tag kein Wasser darin, sondern Rote-Beete-Saft. Ich stürmte hoch, um zu retten, was zu retten war. Kostete 'ne gute halbe Stunde, und dann musste ich auch schon los, Kundentermin in Mülheim. Darauf freute ich mich, angesichts des Wetters war eh gute Laune angesagt, so kam ich zum Hbf. Allein waren in dieser Stunde sämtliche Verbindungen nach Mülheim annulliert, ein Suizid wohl auf der Strecke. "Kein Problem'" so denkt man schon, nehme ich doch mein Fahrrad und rutsche so zum übernächsten Knotenpunkt. Gesagt, getan, ich kam an, stieg in die U-Bahn, rasch waren wir an der Endstation, die Ansage hustete: "Ratingen". Okääääay, das war eine Bahn in die falsche Richtung. Inzwischen hatte ich lediglich Sorge wegen des Termins. Aber kann ja alles mal passieren. Ich liebe die heißen Tage im Spätsommer und entschloss mich, einfach ein Taxi für den Restweg zu nehmen. Doch ließ sich keines finden. Nicht ein einziges. Log ich mich bei Uber ein. Ging klar. Aber Uber kam nicht. Ich rief im Sekretariat meines Kunden an. Selbstverständlich, in 10 min. sei ein Wagen da. Nach 20 min. und 2 weiteren Anrufen immer noch nichts. Nach 32 min. jippiiiiee, ein Uber und sogar Branche "Taxi" und nicht "Eats". Bedauerlicherweise sprach die Fahrerin kein Deutsch. Ich gab meinen Zielort in ihr Handy ein, plötzlich war ihre Verbindung unterbrochen, die Frau hielt an und entschied sich für Re-Start, und schließlich...


Meinen Kundentermin habe ich am Schluss tatsächlich abhalten können – danke ans Universum für alle verständnisvollen Partner*innen! Am interessantesten war aber, dass wir für diesen Termin das Thema "Gelassenheit" angesetzt hatten. Und wie viel man davon aufbringen kann, wenn man zum Beispiel s.o.


Sie wollen jetzt bestimmt eine gebündelte Antwort wissen.


Sie lautet: 0%. Was man aber sehr wohl aufbringen kann, ist, einfach nur noch den Kopf zu schütteln. Denn das muss ich irgendwo zwischen Minute 12 und Satellitenstörung getan haben. Etwas Wunderbares entstand nämlich – ich sah mich plötzlich selbst und wie idiotisch das alles an diesem verfahrenen Dienstag war. Und da musste ich lächeln. Nicht viel und gewiss nicht breit. Aber lächeln!

 

That's it, Lady Gelassenheit,


Ihre Violeta Mikic.